Du hast Zeit investiert, Quellen gesucht, einen Text geschrieben – und trotzdem ist der Artikel (wieder) weg. Das fühlt sich persönlich an, ist es aber meist nicht. Wikipedia ist keine klassische Publikationsplattform, sondern ein gemeinschaftlich gepflegtes Nachschlagewerk mit klaren Regeln. Gelöscht wird in der Regel nicht, weil jemand „dich nicht mag“, sondern weil der Beitrag aus Sicht der Community grundlegende Anforderungen nicht erfüllt.
1) Der häufigste Grund: fehlende Relevanz
Wikipedia sammelt nicht „alles, was es gibt“, sondern nur Themen, die nachweislich enzyklopädisch relevant sind. Diese Relevanz wird über Kriterien und über eine Gesamtschau beurteilt. Typische Stolpersteine:
- Das Unternehmen/Projekt ist zu jung oder lokal begrenzt.
- Es gibt kaum unabhängige Berichterstattung.
- Die Wahrnehmung stammt überwiegend aus Eigenquellen (Website, Pressemitteilungen, Social Media).
Wichtig: Relevanz ist nicht gleich „wichtig für mich“. Wikipedia fragt: Ist das Thema für eine breite Öffentlichkeit nachvollziehbar bedeutsam – belegt durch unabhängige Quellen?
2) Zu wenig oder die falschen Quellen
Viele Artikel scheitern an den Belegen. Wikipedia verlangt zuverlässige, unabhängige Sekundärquellen. Problematisch sind:
- Unternehmenswebsites, „Über uns“-Seiten, Produktseiten
- Pressemitteilungen und PR-Portale
- Selbstveröffentlichungen (eigene Bücher, eigene Blogs ohne Redaktion)
- Paid Content ohne klare redaktionelle Unabhängigkeit
Gute Quellen sind dagegen redaktionelle Medienberichte, Fachpublikationen, wissenschaftliche Sekundärliteratur oder anerkannte Branchenanalysen – idealerweise mehrere, über einen Zeitraum hinweg.
3) Ton und Aufbau wirken wie Werbung
Wikipedia ist streng, was Neutralität angeht. Wenn der Text wie Marketing klingt („führend“, „innovativ“, „einzigartig“, „premium“), entsteht schnell der Eindruck: Das ist PR. Selbst wenn alles stimmt, wirkt es nicht enzyklopädisch. Ein neutraler Artikel:
- beschreibt nüchtern statt zu bewerten,
- stellt Fakten in den Vordergrund (Daten, Einordnung, Rezeption),
- nutzt Quellen als Fundament, nicht als Dekoration.
4) Interessenkonflikt (COI): Du schreibst über dich selbst
Ein häufiger, unterschätzter Löschgrund ist der Interessenkonflikt. Wenn Betroffene, Mitarbeiter, Agenturen oder Auftragnehmer über ein Thema schreiben, zu dem sie eine direkte Beziehung haben, wird das kritisch betrachtet. Nicht, weil es verboten ist zu schreiben – sondern weil Neutralität und Quellenauswahl unter Druck geraten. Transparenz ist hier entscheidend: Offenlegen, wer du bist und welche Verbindung du hast, und idealerweise auf Diskussionsseiten arbeiten oder Entwürfe einreichen statt direkt im Artikelnamensraum zu veröffentlichen.
5) Schnelllöschung vs. Löschdiskussion: Zwei unterschiedliche Welten
Viele wundern sich, warum ein Artikel „sofort“ verschwindet. Bei offensichtlichen Regelverstößen (z.B. reine Werbung, fehlende Relevanzsignale, keine Belege) kommt es zur Schnelllöschung. In anderen Fällen gibt es eine Löschdiskussion, bei der die Community abwägt. Das Entscheidende: Die Hürden für einen neuen Artikel sind am Anfang besonders hoch. Ein frisch angelegter Text ohne starke Quellenlage wirkt schnell wie ein Versuch, Sichtbarkeit zu erzwingen.
Was du konkret tun kannst
- Bevor du neu startest: Lies die Löschbegründung und die Diskussionsseite genau. Dort steht meist, was gefehlt hat.
- Quellen zuerst, Text danach: Sammle mehrere unabhängige, belastbare Sekundärquellen. Ohne die lohnt sich kein neuer Anlauf.
- Neutral umschreiben: Entferne Wertungen, Superlative, Produktdetails und Selbstlob.
- Entwurf statt Direktveröffentlichung: Arbeite im Benutzernamensraum/Entwurfsbereich und hole Feedback ein.
- Transparenz: Wenn du betroffen bist, lege deinen Interessenkonflikt offen und halte dich an die COI-Hinweise.
Und noch ein realistischer Punkt: Manchmal ist die richtige Antwort nicht „besser formulieren“, sondern „noch warten“. Wenn unabhängige Berichterstattung erst entsteht, wächst oft auch die Wikipedia-Tauglichkeit. Wikipedia ist weniger ein Ort für den Start – eher ein Spiegel dessen, was sich bereits in verlässlichen Quellen etabliert hat.
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